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>>Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde



Altdorf führt seinen Namen mit Recht, denn schon im Jahr 864 wird es zum ersten Mal namentlich in einer Urkunde des Klosters Niederaltaich erwähnt. Pfettrach mit dem Namen „Phetarah“ kommt bereits um 800 nach Christus in einem Übergabebuch des Klosters Mondsee vor. Eugenbach ist als „Yupinpach“ schon am 11. November 822 in einer Urkunde des Hochstifts Regensburg aufgeführt.

Mit Sicherheit kann angenommen werden, dass Altdorf noch älter als Pfettrach und Eugenbach ist. Bei der Namensgebung der Nachbarorte wurde nach der in frühgeschichtlicher Zeit üblichen Gewohnheit ein schon gerodeter Platz mit den bewohnten Behausungen als das schon „bestehende alte Dorf“, das heißt mit Altdorf angesprochen.

Die erste Besiedlung des unteren Pfettrachtals kann derzeit bis 5000 Jahre vor Christi Geburt nachgewiesen werden. Reiche Funde, die vor allem im Jahr 1979 unter Leitung von Dr. Rainer Christlein bei Ausgrabungen auf der Trasse der Autobahn gemacht wurden, zeugen davon. Man fand im Bereich des ausgehenden Pfettrachtals, in Richtung der Gstaudacher Anhöhe, unter vielen Kulturstufen die älteste jungsteinzeitliche Siedlung, die bisher in Süddeutschland ausgegraben wurde. Eine bedeutende Fundstelle war beispielsweise auch ein rund 6000 Jahre altes Dorf, das sich zwischen Altdorf und Aich befand.

Die günstigen Südwesthanglagen, die fruchtbaren Lößböden und fließenden Gewässer hatten unsere überwiegend jagdtreibenden Vorfahren veranlasst, sich in dieser Gegend von Altdorf, Eugenbach und Pfettrach sesshaft zu machen. Unsere Heimat wurde in frühgeschichtlicher Zeit endgültig durch die Kelten besiedelt. Sie wurden nach der Einwanderung und Rodung der Wälder sesshaft. Ihre ersten Behausungen errichteten sie vermutlich an der Stelle zwischen dem heutigen Altdorf und Aich. Der Name "Phetarah“ (Pfettrach), oder noch früher „Padara“, ist keltisch und deutet auf eine Rodung neben einem fließenden Wasser hin. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung von Eugenbach, dessen älteste belegte Form „Yupinpach“ (822) lautet, deutet bei großzügiger Auslegung auf das in einem römischen Straßenverzeichnis erwähnte „lovisura“, das heißt auf eine Straßenstation hin. Zu dieser Vermutung passt auch, dass die Eugenbacher Kirche dem heiligen Georg geweiht ist. Die Forschung hat erwiesen, dass derartige Patrozinien sehr alt und meist an ehemals heidnischen Kultplätzen entstanden sind.

Die Hügelgräber, die sich in mehreren Ortsfluren befinden, der Turmhügel südöstlich vor Ostergaden, das UngarnRefugium unweit der Pfettracher Bahnstation, die Lage und günstige Form des Burgbergs bei der Altdorfer Oswald-Anhöhe und vor allem die des Eugenbacher Kirchbergs sind noch heute sichtbare Zeugen einer geschichtsreichen Vergangenheit. Sie wurden vermutlich schon in prähistorischer Zeit als Fluchtstätten benutzt und dabei zu burgähnlichen Anlagen ausgebaut.

Um Christi Geburt kamen die Römer in unser dünn besiedeltes Gebiet. Sie bauten Militärstraßen, wobei sie sich nach Möglichkeit an die vorhandenen Keltenwege hielten. Die nächstgelegene Römerstraße führte über Gündlkofen, Eugenbach, Altdorf und Ergolding nach Regensburg (Castra Regina). Je eine römische Villa rustica (Landhaus) ist in Eugenbach und Altdorf bekannt. Derjenigen in Eugenbach war eine Töpferei angegliedert. Einig ist sich die neueste Forschung darüber, dass die Christianisierung von Altdorf und Umgebung nicht durch iroschottische Mönche, wie oft vermutet, sondern von Benediktinern von St. Emmeram aus Regensburg erfolgte. Sie hatten sich etwa von 650 bis 800 nach Christus in der Gegend der heutigen Münchnerau (Mönche in der Au) niedergelassen. Aus der ursprünglichen einfachen Mönchsseelsorge bildete sich um 750 die Urpfarrei Eugenbach. Die Ausdehnung der Pfarrei Eugenbach reichte fast bis Furth, Neuhausen und Oberglaim. Nach einer im Jahr 1157 durchgeführten Diözesangrenzregelung zwischen den Bischöfen von Regensburg und Freising ist damals die an der sogenannten Hochstraza gelegene Vorläuferkirche der späteren Frauenkirche zum Bistum Regensburg gekommen. Mit dem damit verbundenen weiteren Aufschwung der Wallfahrt zu "Unserer Lieben Frau" von Altdorf verlagerten sich die wachsenden Aufgaben der Pfarrseelsorge im 14. Jahrhundert mehr und mehr von der Urpfarrei Eugenbach nach Altdorf.

Im Jahr 909 wurde unsere Gegend von plündernden ungarischen Reiterhorden heimgesucht. In den Jahren 1632 bis 1648 wütete der Dreißigjährige Krieg besonders schlimm. In diesen Jahren fand in der gesamten Großpfarrei keine einzige Trauung statt. Die Bevölkerung floh mit dem Vieh in die umliegenden Wälder oder in die sicher scheinende Stadt Landshut. Die Pest raffte viele Bewohner hinweg, unter ihnen allein in der Pfarrei Altdorf sechs Mesner infolge der Ausübung ihres Totengräberdienstes. Schwer heimgesucht wurde unsere Gegend auch während der napoleonischen Zeit (1797 bis 1809). Am 16. April 1809 beschossen die Österreicher von den Gstaudacher Höhen aus Pfettrach. Dabei wurde das Schloss sehr stark beschädigt und es brannten 13 Häuser ab.

Das Jahr 1816 brachte eine große Missernte, die im Frühjahr 1817 zu einer schlimmen Hungersnot führte.

Die Grafen Deroy zogen sich 1840 vom Pfettracher Weiherschloss auf ihr Schloss nach Weihenstephan zurück und ließen das Pfettracher Schloss abtragen. Die durch die Altdorfer Fluren verlaufende Bahnlinie von München nach Landshut wurde am 31. Oktober 1858 eröffnet.

Die Österreicher, verbündet mit Bayern, verloren 1866 den Krieg gegen Preußen.

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 folgte nach und nach die „sogenannte gute alte Zeit“.

Am 3. November 1900 wurde die Bahnlinie von Landshut nach Rottenburg eröffnet.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse entwickelten sich durch Nutzung der technischen Möglichkeiten mit sichtbarem Aufschwung. Er wurde durch den Ersten Weltkrieg jäh beendet. Ab August 1914 wurden viele wehrpflichtige Männer einberufen und später die fehlenden Arbeitskräfte durch Kriegsgefangene ersetzt. Der Lebensmittel- und Konsumgüterverbrauch wurde auf die Hälfte eingeschränkt. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten 42 Altdorfer, 27 Eugenbacher und 29 Pfettracher Väter und Söhne nicht mehr in ihre Heimat zurück. Die folgende Teuerungswelle der Inflation brachte für jedermann weitere, bisher noch nicht dagewesene Härten mit sich. Auf dem Höhepunkt der Inflation kostete eine Halbe Bier 100 Milliarden Papiermark. Da der ausgehandelte Lohn bei der Auszahlung schon wieder wertlos war, ließen sich die Handwerker und Dienstboten mit Naturalien entlohnen. Mit der Einführung der Rentenmark ab 15. November 1923 kam es wieder zu normalen Verhältnissen auf dem Geldmarkt. Am Höhepunkt der Weltwirtschaftkrise gab es 1932 in Deutschland über sechs Millionen Arbeitslose. Landwirtschaftliche Erzeugnisse konnten wegen Geldmangel trotz sehr niedriger Preise schlecht abgesetzt werden. Ab 1933, das heißt nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten besserte sich die wirtschaftliche Lage spürbar. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurden in Altdorf mehrere Projekte, zum Beispiel der Bau der Hirschauer Brücke, die Straßenverbesserungen in Altdorf und nach Eugenbach sowie der Bau des ersten Altdorfer Rathauses, durchgeführt. Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg und somit die dritte Katastrophe in diesem Jahrhundert. Die meisten Waren wurden streng rationiert, viele Menschen litten große Not. Während und nach dem Krieg kamen Ausgebombte aus den Städten, Flüchtlinge aus den ostdeutschen Ländern und Heimatvertriebene aus dem Sudetenland in großer Zahl zu uns. In Altdorf, Eugenbach und Pfettrach hatte sich durch den Zuzug der vielen Neubürger die Einwohnerzahl fast verdoppelt. Sie mussten unter schwierigen Bedingungen untergebracht und versorgt werden. Nach diesem nun wieder verlorenen Zweiten Weltkrieg hatte Altdorf, Eugenbach und Pfettrach 184 Gefallene und Vermisste zu beklagen. Erst nach Jahren kehrten die letzten Kriegsgefangenen heim. Vom Schulwesen ist zu berichten, dass die Altdorfer Schule nach dem Dreißigjährigen Krieg 1671 von Pfarrer Dr. Simon Holzhauser in Altdorf im hölzernen Mesnerhaus neben der Nikolakirche eingerichtet wurde. Hierher gingen auch die Eugenbacher und Pfettracher Kinder, bis 1885 jeweils in Eugenbach und Pfettrach Schulhäuser errichtet wurden. Von 1952 bis 1972 wurde das neue Schulzentrum Zug um Zug geplant und gebaut. Die Schulen in Eugenbach und Pfettrach wurden geschlossen und die Schüler in Altdorf übernommen. Die heutige Schule in Altdorf besteht aus einer Haupt- und Grundschule, in der um das Jahr 1980 über 1000 Schüler und Schülerinnen, davon etwa 100 Gastschüler, unterrichtet wurden. In den drei Kinder-gärten wird unseren Kleinen der erste Eindruck vom Zusammenleben in der Gemein-schaft vermittelt. Mehrere Kinderspielplätze, drei Sportplätze sowie zwei Turnhallen stehen für die körperliche Ertüchtigung und sportliche Betätigung unserer Jugend in Schule und Freizeit zur Verfügung.

Altdorf war 350 Jahre ein sogenanntes Schergenamt, es wurde 1450 zur Abwehr der Hussiten eingerichtet und setzte sich aus je zehn bis 20 niedergerichtlich dem Landgericht zugehörigen Bauern und einem Obmann zusammen. Später verloren die Haupt- und Obmannschaften ihren ursprünglichen militärähnlichen Charakter. Die Obleute halfen jedoch den Schergen weiterhin bei Anlegung der Steuern und des Scharwerks. In Altdorf und Eugenbach wurden die dem Landgericht zugehörigen Bauern schon um 1808 frei, in Pfettrach dagegen wurden die vom Patrimonialgericht abhängigen Bauern erst 1848 frei und unabhängig. Am 17. Mai 1818 wurden nach dem revidierten Gemeinde-Edikt unter anderem auch die Gemeinden Altdorf, Eugenbach und Pfettrach gebildet. Nach der Gemeindeordnung des königlichen Innenministeriums vom 29. April 1869 sollte Eugenbach mit 320 Seelen, Pfettrach mit 329 Seelen, Münchnerau mit 362 Seelen und Altdorf mit 633 Seelen zu einer sogenannten Bürgermeisterei Altdorf vereinigt werden. Dieses Reformvorhaben scheiterte. Erst 100 Jahre später, das heißt beim zweiten Versuch im Zuge der großen Gebietsreform, wurden mit Wirkung ab 1. Januar 1971 die Gemeinden Eugenbach und Pfettrach an die Gemeinde Altdorf angegliedert. Die bisherigen Gemeindenamen bleiben als Ortsnamen erhalten. Im Bereich der heutigen Gemeinde Altdorf wohnten vor dem Zweiten Weltkrieg 2027 Menschen. 1950 waren es 3084 und 1960 nach dem Wegzug von Flüchtlingen in industriestärkere Gebiete nur noch 3071 und zum Zeitpunkt des Gemeindezusammenschlusses 1971 schon wieder 4385 Einwohner. Bis zum heutigen Zeitpunkt ist die Einwohnerzahl auf zirka 12.000 angewachsen.

Schöne moderne Gaststätten stehen für die Aufnahme von Einheimischen und Fremden zur Verfügung. Sie bieten reichlich Raum und Gelegenheit für Veranstaltungen, was von zahlreichen Vereinen, die das öffentliche Leben der Gemeinde mitgestalten, rege genützt wird.

Vom kunsthistorischen Standpunkt aus sind besonders die durch ihren äußeren eigenen Baustil voneinander unterschiedlichen vier Kirchen hervorzuheben. Sie besitzen auch mancherlei gotische und barocke Zier und erlesene Kostbarkeiten, die es erweisen, dass Altdorf – so nahe der Residenzstadt gelegen – Anteil hatte an der großen künstlerischen Kraft, die von ihr ausging und hier ihre Heimat fand. Am
31. Mai 1984 wurde die Neu-St.-Nikola-Kirche eingeweiht.

Jahrhundertelang war Altdorf mit seinen Ortsteilen Eugenbach und Pfettrach nur von bäuerlicher Struktur geprägt. Längst ist der Ort über seinen ländlichen Charakter hinausgewachsen, neue Siedlungen sind entstanden, die Heimatvertriebenen sesshaft geworden. Die neuen Industrie- und Handelsunternehmen bieten zahlreiche Arbeitsplätze.


Verfasser Ernst Gruß

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